Unser Weg voller Trauer, Zweifel und Glück
Unser Rudel bestand zunächst aus Kida, einer Deutschen Schäferhündin und Cain, einem Schipperke-Rüden – ein Shiba Inu war ein lang ersehnter Traum. Daher informierten uns wir ausgiebig und lernten auch einige Shibas vorab persönlich kennen.
Wir entschieden uns nach vielen Gesprächen für eine FCI-Züchterin aus Russland.
Irgendwann war es endlich soweit. Wir reservierten einen Welpen und zahlten ihn an. Die Freude war riesig. Doch dann kam alles anders…
Wir mussten unsere 7 Jahre alte Deutsche Schäferhündin Kida ein paar Tage nach der Reservierung unerwartet einschläfern lassen. Sie hatte Babesiose. Es waren schreckliche Stunden, bis sie endlich erlöst wurde. Unsere Welt brach zusammen.
Ich schrieb der Shiba-Züchterin und sie betonte sofort, dass es kein Problem se, wenn wir einen Welpen aus einem späteren Wurf nehmen. Uns so ließen wir erst einmal die Zeit unsere seelischen Wunden heilen.
Nachdem einige Zeit vergangen war, wurde der nächste Wurf der Züchterin geboren und dann passte einfach alles. Die Züchterin schickte viele Videos und Fotos, die uns verzauberten. Die Aufregung stieg.
Nach ein paar Monaten des Wartens kam Haru dann zu uns nach Deutschland. Er war so ein süßer Junghund mit seinen Kulleraugen. Wir waren überglücklich.
Nach einem kurzen Kennenlernen und einer Löserunde sind wir schließlich mit Haru und Cain an einen ruhigen Ort gefahren. Zunächst ließen wir die beiden an der Leine ohne direkten Kontakt nebeneinander herlaufen. Doch irgendwann attackierte Haru Cain relativ schnell und das nicht gerade zimperlich. Natürlich griffen wir sofort ein. Auch die darauffolgenden Tage versuchte Haru immer wieder Cain anzugreifen. Ebenfalls entwickelte er gegenüber Cain eine leichte Ressourcenaggression.
Ich war mit den Nerven ziemlich fertig und fragte mich in der Verzweiflung, warum wir einen Shiba zu uns geholt haben. Haru sollte uns doch eigentlich nach der Zeit der Trauer um Kida wieder Freude bringen. Natürlich hatte ich solche Reibereien im Hinterkopf, aber in dem jungen Alter Harus habe ich damit ehrlich gesagt noch nicht gerechnet.
Das Gute war, dass ich mit solchen schwierigen Situationen genügend Erfahrung habe und dementsprechend konnte ich Haru relativ schnell klar machen, dass so ein Verhalten nicht akzeptiert wird.
Die nächste Herausforderung für Haru war das Alleinbleiben. Er hatte damit so seine lieben Probleme und ließ seinen Frust leider öfter an Cain aus, weshalb wir die beiden trennen müssen, wenn wir nicht zuhause sind.
Trotz intensivem Trainings zerstört Haru leider Dinge in seinem Frust, wenn er alleinebleiben muss – ganz egal ob er eine Schleckmatte, einen Kong oder Leckerlibälle zur Verfügung hatte oder nichts. Dabei spielte auch keine Rolle wie lange wir Gassi waren und ihn beschäftigt haben.
Haru hat uns einige Fußleisten gekostet, Bettwäsche, Kissen und Schuhe zerstört. Er knabbert Schränke an, sogar vom Drehknauf des Heizkörpers machte er keinen Halt. Einmal hatte er sogar die Heizkabel unseres Wasserbetts durchgebissen. Ein paar Monate später hat er das Wasserbett weiter zerstört. Der Wasserkern lag schon frei, war aber noch intakt. Wohlgemerkt war er immer nur an 2 Tagen die Woche für 3 Stunden alleine und an einem Tag 30 Minuten.
Es wurde besser als wir Haru auf die Fensterbank lassen. Er liebt es dort zu sitzen und stundenlang das Geschehen draußen zu beobachten. Er bleibt dort ganz ruhig und schläft auch gerne dort ein.
3 Jahre später, macht er zu seinen gewohnten Zeiten nur noch selten etwas kaputt aber wir trennen die beiden Hunde immer noch beim Alleinebleiben. Ansonsten klappt es mit den beiden gut. Haru von Beginn an Grenzen aufzuzeigen war hier der Schlüssel zum Erfolg. Wir sind froh, dass Haru bei uns ist. Auch wenn es die erste Zeit sehr viel Kraft und Durchhaltevermögen gekostet hat und nicht das war, was wir uns in der Trauer um Kida gewünscht haben.
Manchmal frage ich mich, ob Haru nicht besser ein Einzelhund gewesen wäre. Sicherlich wäre das Alleinbleiben natürlich dennoch eine Herausforderung gewesen. Aber so spielt das Leben eben, es kommt nicht immer alles so wie man es sich ausmalt. Und genau das ist vielleicht auch gut so.






